5 Jahre Waldkindergarten am Kuhsee

Natur und Kultur als Grundlage für eine balancierte Kindesentwicklung.

Mit dieser pädagogischen Vision begannen Marete Kisch und Markus Mayer vor fast sechs Jahren ihren eigenen Weg für einen Waldkindergarten. Zunächst geplant als Außengruppe des Waldorfkindergartens an den Lechauen war den beiden bald klar, dass diese Idee auf eigenen Füßen stehend noch besser gedeihen würde. So entstand nach fundierter pädagogischer Konzeptionsarbeit und den notwendigen bürokratischen Schritten mit Stadtverwaltung und Vereinsrecht der Waldkindergarten am Kuhsee e.V. mit Unterkunft im Jugendhaus Lehmbau, der am 8. April 2013 mit acht Kindern startete.

„Eine weitläufige, natürliche Umgebung bietet eine ideale Grundlage für die Kleinen, um ihre Innenwelt zu entwickeln und zu erforschen. Kraft und Balance des Körpers, Gefühle und Bedürfnisse der eigenen Person, Schutz und Inspiration der Erzieher bilden den Erfahrungsraum unserer Kindertagesstätte,“ erzählt Marete, die aus der Beobachtung der Kinder bei den turnusmäßigen Außenterminen ihres früheren Kindergartens ihre Schlüsse zog und daraus die Waldpädagogik zu ihrer wichtigsten pädagogischen Richtung erklärte.

Die Kinder üben Ihre Balance zu halten und suchen sich hierfür unterschiedliche ‚Spielplätze‘.

Natur als primäre Lehrkraft für uns Menschen

Nach einer langen Kälteperiode bildet sich das Erlebnisfeld Eis.

„Der Kreislauf der Jahreszeiten und die in ihm existierende Flora und Fauna erklärt uns mit grundlegender Selbstverständlichkeit die Zusammenhänge unseres eigenen Daseins. Wind und Wetter, Anstrengung und Erholung werden zum Wahrnehmungsraum für die eigenen Erfahrungen,“ meint Markus, der gerne ein Vorbild dafür ist, die Natur in all ihren Facetten und unter dem Aspekt der Bewegungsentfaltung zu begreifen.

Kulturangebote als Verfeinerung der Naturerlebnisse und Vorbereitung für die schulische Entwicklung

Nicht nur bei sehr kaltem und schlechtem Wetter bietet uns der Neubau des Jugendhaus Lehmbau einen Unterschlupf. Auch unsere vielfältigen Angebote werden zum Teil hier durchgeführt.

„Mit Musizieren, Tanzen, Singen, Basteln und dem gezielten Anwenden von Sprache in Gedichten oder Reimen fördern wir die weitere Entwicklung für Konzentration und Sensibilisierung der Sinne. Bildung, Kunst und Natur dienen somit als kognitive und physische Vorbereitung für die schulische Laufbahn,“ rundet Marete die Darstellung des Konzeptes ab. Dafür stehen zum Teil der Lehmbau und seine großzügigen Außenanlagen zur Verfügung.

„Waldkindergarten – das ist Wachsen ohne Grenzen, in einer wunderbaren Natur, bei Wind und Wetter – und mit ganz viel Spaß!“ – Andi (Vater eines Waldkinds)

Soziales Lernen in der selbstorganisierten Gruppe

Durch die weitläufige, natürliche Umgebung im Wald, auf der Heide und entlang des Sees finden die Kinder zahlreiche Impulse und Gelegenheiten, ihre eigenen Phantasien und Ideen gestalterisch auszuleben. Dabei etablieren sich immer wieder neue Gruppierungen, spontan werden Regeln und Ziele ausgehandelt und abgestimmt. Interessensgeleitetes, soziales Lernen findet hierbei stets neuen fruchtbaren Boden des miteinander Ausprobierens und der gegenseitigen Abgrenzung im Dienste des Einstehens für die eigenen Interessen. Darüberhinaus „zieht und trägt“ die Gruppe auch das einzelne Kind, wenn es um Durchhalten oder Dranbleiben geht und es entstehen so erste Teamerfahrungen außerhalb der familiären Strukturen.

In den weitläufigen Flächen rund um den Kuhsee und auf der Kuhseeheide finden die Kinder immer wieder neue Möglichkeiten sich kreativ zu entfalten.

Die Mischung der verschiedenen pädagogischen Konzepte bieten eine Vielfalt, aus der sowohl Kinder als auch Erzieher die für sie passenden Elemente auswählen können.“ – Sharon S. (SPS2 Praktikant)

Stetige Weiterentwicklung der Kindertagesstätte

Zu der Gruppe der drei bis sechs-Jährigen wurde im Jahr nach der Gründung die bereits seit langem existierende Waldspielgruppe, eine zweimal pro Woche für 3 Stunden angelegte Betreuung für maximal 12 Kleinkinder organisatorisch integriert. Hier machen die zwei- dreijährigen zum Teil in Begleitung ihrer Eltern erste Naturerfahrungen, die dann im Anschluss im Waldkindergarten erweitert werden können.
Der über die Jahre schnell anwachsende Zulauf gab der Vision der beiden Gründer mehr als Recht. Im Herbst wird der Waldkindergarten mit inzwischen 26 Kindern, 4 Betreuern und erweiterten Öffnungszeiten eine neue Entwicklungsstufe erreichen.

Ein Fliegenpilz dient als Dach für die Zwerge. Neugierig kommt eine Schnecke vorbei.